Ahrem

Wo können wir erfahren, wie reich wir heute leben? In Ahrem, dessen Name sich zwar von dem fränkischen „Arn-heim“ – Heim des Arno – ableitet, dessen Name jedoch auch an das Gegenteil von „reich“, an „arm“ erinnert. So reich wie heute lebten die Einwohner des einst armen Ahrems noch nie. Heute stehen rings um das alte Dorf schmucke Einfamilienhäuser mit schmucken Gärten und schmucken Autos in den Garagen. Viele verdienen ihr Geld anderswo in einer der nahen Städte. Früher verdienten alle ihr weniges Geld im Ort. Zwar gab es drei größere Höfe, aber die meisten Menschen mussten sich in bitterer Not durchschlagen. Die kleinen Bauern besaßen ein Pferd, eine Kuh, ein Stückchen Land, ihren Lebensunterhalt verdienten sie als Tagelöhner. Mehrere Pferde zu halten, war zu teuer. So spannten sie Ochs und Pferd zusammen. Täglich wurde die Milch geholt und zur Molkerei gebracht. Milchgeld und Eiergeld waren wichtige Bestandteile des Einkommens. Klatschkäse – Quark – war der verbreitete Brotaufstrich. Fleisch gab es nur, wenn geschlachtet wurde. Dann und wann. Das einzige, was geblieben ist, sind die kleinen Tagelöhnerhäuschen. Nicht einmal eine Kirche gab es in diesem armen Dorf. Bis 1891, als endlich das Geld beieinander und die Genehmigung des Dechanten aus Lechenich eingetroffen war. Heute steht die Kirche meistens leer, das Pfarrhaus wird zum Verkauf angeboten. Die Zeiten haben sich geändert, sind materiell reicher geworden, aber es besteht die Gefahr, dass wir ideell ärmer werden. Gegenüber der Kirche blickt die Heilige Apollonia etwas verloren aus ihrer 1691 gebauten Kapelle in diese neue Welt. Nur wenn man das Alte und das Neue sieht, entdeckt man das wahre Gesicht Erftstadts.