Blessem und Frauenthal

In welchem Ort wurde wann die letzte katholische Kirche gebaut? 1961, als noch niemand an Verkauf und Umfunktionierung von Kirchen dachte, wurde in Blessem die Kirche St. Michael geweiht. Der Architekt Werner Ingenday hatte einen Bau geplant, der an ein Zelt erinnert, weil Menschen immer auf der Wanderschaft seien. Das große Glasfenster an der Westwand zeigt in den leuchtenden Farben Rot, Blau und Grün die Himmelskönigin Maria. Der Metallbildhauer Jakob Riffler schmiedete die Eingangstür, auf der unter anderem Szenen aus der Ortsgeschichte dargestellt sind. Auf der Glaswand zwischen Kirche und frei stehendem Campanile ist am oberen Rand eine Eule zu sehen, ein Symbol für die „Schrubbüüle“, die Frauen, die seitdem und bis heute die Kirche sauber halten. Kaum einer weiß, welch ein Schatz diese weithin unbekannte Kirche in einem einstmals kleinen Straßendorf ist. Denn ein Straßendorf war Blessem Jahrhunderte lang, ausgestreckt zwischen einem großen Haus im Süden, an dem bis vor kurzem unübersehbar das Wort „Blessem“ stand, und der Burg im Norden. Um 1900 gab es in diesem Straßendorf zwei Bäcker, die auch Lebensmittel verkauften, zwei Schuhmacher, zwei Schmiede, einen Metzger, einen Stellmacher, einen Schreiner, einen Schneider, zwei Gastwirte und viele, viele Pferde, die in der Landwirtschaft arbeiteten. In den Jahren um 1961 machten Neubürger durch ihre Eigenheimbauten aus dem Einstraßendorf ein Vielstraßendorf., in dem es heute einen Bäcker, der auch Lebensmittel verkauft, drei Reiterhöfe mit weit über hundert Pferden, eine Gastwirtschaft und viele, viele Fernsehgeräte und Autos gibt. Auch lebt auf der Burg kein Burgherr mehr, Apartments sind entstanden, in denen viele kleine Burgherren und Burgfrauen das Beste aus ihrem Leben zu machen versuchen. Nur wer die Vorzüge unserer Gegenwart zu schätzen vermag, erkennt das wahre Gesicht Erftstadts.