Bliesheim

Wie muss ein Ort beschaffen sein, in dem einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts heranwuchs? So wie Bliesheim, ein paar Straßen, eine eindrucksvolle neuromanische Kirche, ein heute nicht mehr existierender Gemüsegroßmarkt, eine Schule und eine lebensgroße Kreuzigungsgruppe aus dem Mittelalter. Mehr scheint nicht notwendig zu sein, denn hier wuchs einer der größten deutschen Komponisten auf. Mehr ist nicht notwendig? Notwendiger als alles andere ist Persönlichkeit und Begabung, die der 1918 in der Frankenstraße geborene Bernd Alois Zimmermann in besonderer Weise mitbrachte. Notwendig ist auch die Liebe der Eltern, welche die musikalische Mutter und der sparsame Vater, der auf dem Stellwerk des Bahnhofs in Liblar arbeitete, ihren Kindern boten. Vergessen hat Bernd Alois Zimmermann das Dorf seiner Jugend nie, auch nicht als er 1960 „Die Soldaten“ und 1970 „Das Requiem für einen jungen Dichter“ schrieb, zwei Opern, die zu den schwierigsten und schönsten Kunstwerken des 20. Jahrhunderts gehören und weltweit immer wieder gespielt werden. Bliesheim war immer beides: ein Bauerndorf, in dem aber viele Arbeiter aus den Kohlegruben wohnten, ein rheinisches Dorf, in dem Karneval gefeiert, aber dann in der Fastenzeit auf das Feiern verzichtet wurde. Der eine Teil Der eine Teil Bliesheims schmiegt sich eng an den Fluss Erft an, so als suche es Schutz vor dem chaotischen Leben, der andere Teil liegt oben auf der Höhe, so als habe es alle Gefahren des Lebens bereits überwunden. Nicht allein in den Gebäuden, auch in den Menschen, die wie Bernd Alois Zimmermann hier lebten, zeigt sich das wahre Gesicht der Erftstadt.