Dirmerzheim

Wo sagt man sich: doppelt genäht hält besser? In Dirmerzheim, durch das sich zwei Hauptstraßen ziehen –man spricht von einem Zwei-Straßen-Dorf – , in dem zwei große Höfe am Ortsrand stehen – dem Radmacher-Hof im Süden und dem Tilman-Hof im Norden – und in dem zwei Kirchenkörper sich ineinander verschlingen – ein Kirchenschiff aus gotischer und ein Kirchenschiff aus moderner Zeit. Diese St. Remigius-Kirche birgt wundersame Geheimnisse. So ist der Chor des gotischen Kirchenschiffs gepflastert mit kleinen Tonplättchen, die wahrscheinlich aus Kerpen stammen, wo sie als Untersetzer beim Brennen der Bartmannkrüge benutzt, später nicht mehr gebraucht und in der Kirche neue Verwendung fanden. So hängen im modernen Kirchenschiff Holztafeln der Kreuzwegstationen, die der frühere Pfarrer der Gemeinde, der Belgier Jan Keyers, realistisch und derb geschnitzt hat. Gleich neben der Kirche bietet das Pfarrhaus eine Besonderheit in Erftstadt. Auch Dirmerzheim wurde wie die anderen Orte der Erftstadt am 3. März 1945 durch die amerikanische Armee besetzt. Nirgendwo, nur in diesem Ort, setzte man dem Ereignis, das den zwölfjährigen Spuk der Nazi-Zeit beendete, ein Denkmal. Über der Tür wurde ein Kunstglasfenster eingelassen, auf dem in Blei gefasst der Satz steht: „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. 3. III. 1945“ Man muss doppelt Zeit mitbringen, um alle Geheimnisse zu entdecken, denn erst dann zeigt Erftstadt sein wahres Gesicht.