Erp

Welcher Ort führte schon immer ein Eigenleben, wo besaßen die Einwohner verglichen mit der übrigen Erftstadt eine andere „Staatsangehörigkeit“? In Erp, das bis 1794 den Herren von Schleiden-Manderscheid unterstand und nicht wie die meisten Ortsteile dem Erzbischof von Köln. Der schöne und große Schleidener Hof erinnert noch heute an diese Zeit, mit seinem Gefängnisturm und seinem Gerichtssitz, wo die Herren aus der Eifel Recht sprachen. Es liegt an dieser Sonderentwicklung, dass die Menschen in Erp das „r“ rollen, wie nirgendwo sonst. Auch heißt es, dass in Erp Karneval heftiger und intensiver gefeiert wird als in den anderen Stadtteilen. Aus dem Kloster Steinfeld in der Eifel stammt wahrscheinlich auch das wunderschöne mächtige romanische Kreuz, das Christus – ungewöhnlich genug – in dem Gewand eines römischen Bürgers zeigt. Einst hing dieses Kreuz in der alten St. Pantaleon Kirche, die gegen 1870 abgerissen und durch den heutigen neugotischen Bau ersetzt wurde. Den Bauern, die in harter Arbeit ihre Felder bestellten mit Pferden, die in der Schmiede Happe frisch beschlagen worden waren, ist kein Vorwurf zu machen, dass sie nicht wussten, was mit dem Kreuz anzufangen sei. Es landete in einem Schuppen auf dem Friedhof, wo es wahrscheinlich verfault wäre, hätte der preußische Provinzialkonservaror Paul Clemen es nicht entdeckt. Mit List und Tücke sicherten sich die Herren der Erzdiözese das kostbare Kreuz, das nun im neuen Diözesanmuseum in Köln als „Erper Kreuz“ die Besucher erfreut und auf diese indirekte Weise etwas vom wahren Gesicht Erftstadts zeigt.