Gymnich und Mellerhöfe

In welchem Ort haben die Premierministerin Inidra Gandhi, der König Hussein, die Königin Elisabeth II und der Generalsekretär Breschnjew – um nur einige zu nennen – genächtigt? In Gymnich, dessen wunderschöne Wasserburg, umgeben von einem Park mit großartigen alten Bäumen, in den Jahren nach 1971 durch den ungeliebten Erben einer jahrhundertealten Tradition, durch den Freiherrn Jörg Holzschuher von Harrlach, als Gästehaus an die Bundesregierung vermietet worden war. „Gymnich bei Bonn“, sagte man damals ironisch. Als die Bundesregierung ein neues Gästehaus gefunden hatte, verkaufte der Freiherr das Schloss, dessen ständig wechselnde Besitzer seitdem sich wenig würdig der großen Geschichte des Ortes erwiesen. Das könnte sich jetzt ändern. Denn im Jahre 2007 hieß es, dass ein Käufer aufgetaucht sei, der eine onkologische Klinik in dem alten Anwesen aufbauen wolle. Einst wohnte hier das Adelsgeschlecht der von und zu Gymnich, die als Minister und als Ministerpräsidenten treu und gut ihrem Landesherrn, dem Erzbischof von Köln, dienten.. Man sieht es noch: Im Schloss hängen Porträts der Großen des Erzbistums, gekleidet in Samt und Seide, sogar der Lebenskünstler Clemens August ist dabei. Nicht ohne Grund krönt den Turm der Kirche nebenan eine Zwiebelhaube. Wenn die Bischöfe, die 200 Jahre lang aus dem Hause Wittelsbach stammten, einmal in Gymnich zu Besuch waren, sollten sie sich wie zu Hause in Bayern fühlen. In Gymnich hat alles eine lange Geschichte. Wenn am Himmelfahrtstage Reiter und Pferde unter offenem Himmel eine Messe feiern und wenn die Wandlungsworte durch ein helles Wiehern begleitet werden, wenn die stolzen Herren anschließend weit um das Dorf herum durch die Felder reiten und sich an jenen Arnold I, jenen Ritter von Gymnich erinnern, der an dem Kreuzzug 1096 teilnahm und nur durch ein Gelöbnis sein Leben retten konnte, wenn dann auf dieses prächtige Bild auch noch die Sonne scheint, dann zeigt Erftstadt sein wahres Gesicht.