Köttingen

Wo steht eine Siedlung, in der einst Bergarbeiter wohnten und die noch heute wegen ihrer ästhetischen Schönheit und ihrer sozialen Wärme gerühmt wird? In Köttingen, wo um 1900 Wohnraum geschaffen werden musste für arme Bauernsöhne von der Mosel oder aus dem Bayerischen Wald, die in den Kohlegruben Arbeit gefunden und Familien gegründet hatten. Eine liebenswerte Siedlung entstand, mit gewundenen Gassen, mit kleinen Doppelhäusern, mit Ställen für die Ziegen – die Kuh des Bergmannes – , mit Gärten und Wegen, mit Konsum und Versammlungssaal, mit Kirche und Junggesellenhaus. Und alles das steht heute noch, wenn auch fremd genutzt. Wer will, kann die alten Zeiten spüren, mit ihrem Arbeitersportverein, ihrem Arbeiterbildungsverein, ihrem Theaterverein, ihrer Kommunistischen Partei und ihrer Sozialdemokratischen Partei. Die Familie des 2003 verstorbenen Metallbildhauers Jakob Riffeler stammte aus dieser harten Welt der Malocher, deren Leben er in der Metalltür der Kirche schildert: arme, ausgemergelte Typen, die dennoch die Hoffnung nicht aufgeben. Die Siedlung ist heute noch eine Welt für sich, die wenig zu tun hat mit dem alten Dorf an der Hauptstraße und noch weniger mit den neuen Wirtschaftsunternehmungen der May-Gruppe, deren Chrom glänzende Logistikfahrzeuge von hier aus in alle Welt fahren und so auf ihre Weise zu dem wahren Gesicht Erftstadts einen Beitrag leisten.