Liblar

In welchem Ort verschandeln Sprayer keine schönen sauberen Wände, sondern schaffen Kunst? Bewusst und gekonnt und erwünscht? In Liblar, wo in der Bahnhofsstraße die Skateranlage durch ein Grafitto des hier geborenen Künstlers Klaus Winkler, alias „Seak“, geschmückt wird. Reichsgraf Franziskus Wolff Metternich zur Gracht – geboren 1893, gestorben 1978 – hätte vielleicht auch seine Freude an dieser frohen Kunst gehabt. Er war nämlich nicht nur Herr von Schloss Gracht in Liblar, sondern als Kunsthistoriker auch Provinzialkonservator und damit verantwortlich für alle Kunstschätze des Rheinlandes. Einer seiner Vorfahren, Johann Adolf Reichsgraf Wolff Metternich zur Gracht, war ein politisch mächtiger Herr gewesen und standesbewusst und hatte in den Jahren 1659 bis 1669 ein prächtiges Barockschloss mit einem heute noch erhaltenen prächtigen Barockgarten bauen lassen. Der genius loci mit kühnen Zukunftsideen beflügelte auch Carl Schurz, der 1829 in der Vorburg dieses Schlosses geboren wurde, von einem geeinten und republikanischen Deutschland träumte, deshalb verfolgt und verjagt und später Innenminister der Vereinigten Staaten von Amerika wurde. Das Barockschloss wurde im 19. Jahrhundert klassizistisch umgebaut, Bergarbeitersiedlungen für die Malocher in den Braunkohlegruben entstanden, sogar eine evangelische Kirche wurde im Jahre 1925 errichtet – für die Herren Grubendirektoren. Nach 1960 entstanden schöne großzügige Neubaugebiete. In diesem alten Ort mit seinen neuen Architekturen und Farben zeigt Erftstadt sein wahres Gesicht.