Lechenich und Konradsheim

In welchem Ort kann ein Erzbischof von Köln heute so spazieren gehen wie seine Vorgänger vor 700 Jahren? In Lechenich, dessen Altstadt seit der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1279 unverändert ist. Alles ist in Lechenich alt: das Schachbrettmuster der Straßenanlage seit der Stadtgründung; das Bonner Stadttor, in dem in die einstigen Gefängnisräume heute eine Weinstube eingezogen ist, und das Herriger Stadttor, in dessen vermauerter Wachtstube sich mitternächtlich die Geister treffen, die St.Kilian – Kirche, die schon 1256 dem Heiligen Kilian geweiht und 1749 als Barockbau errichtet wurde; das Rathaus inmitten des Marktplatzes, das 1752 nach dem großen Stadtbrand errichtet und 1862 durch den Dombaumeister Zwirner restauriert wurde und auch das sog. „Haus Ganser“, das 1817 in der Bonner Straße gebaut wurde und in dem vorübergehend der erste preußische Landrat Friedrich Wilhelm Bielefeldt wohnte, als Lechenich vorüber gehend Kreisstadt war, was durch die Dummheit der damaligen Bewohner schnell verspielt wurde. Alt ist auch die Landesburg, die als gewaltige Ruine seit ihrer mutwilligen Zerstörung durch Soldaten im Jahre 1689 nicht mehr bewohnbar ist. Einst war sie eine der stolzesten und schönsten deutschen Burgen nördlich der Alpen, erbaut in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts. Könige des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und andere Mächtige weilten hier als Gäste des Erzbischofs. Wie wäre es, wenn Mittel und Wege gefunden werden würden, die Burg zu restaurieren und als ein „Haus der Kultur“ den heutigen Bürgern der Kunst erneut zu öffnen? Erst mit einem so großmächtigen „Haus der Kultur“ würde Erftstadt ihr wahres Gesicht zeigen.