Niederberg

Welcher Ort liefert Stoff für eine spannende kunsthistorische Kriminalgeschichte? Niederberg, denn niemand weiß, wie ein kostbares Tüchlein, das im Mittelalter in der Werkstatt Stefan Lochners bemalt wurde, in den Besitz der Pfarrer kam, die es lange Jahre im alten Pfarrhaus aufbewahrten. Nur Heilig Abend, nach der Christmette, holte der Pfarrer das Tüchlein hervor und zeigte es seinen Messdienern, die es mit spitzen Fingern und vorsichtig in der Runde herumreichten. Das Tüchlein entstand – so viel ist sicher – um 1450 in Köln, misst 20 cm im Quadrat und zeigt in ungewöhnlich schöner Weise die Weihnachtsszene: das Christkind auf einem weißen Tuch auf einem Feld liegend, Maria und Josef und darüber der große weite Nachthimmel mit vielen hellen Sternen. Ein wunderbares Werk der Weltkultur. Kam es als Geschenk nach Niederberg, wurde es geraubt, wurde es gekauft? Niemand weiß die Antwort. Bekannt ist nur, dass es 1926 durch das Diözesanmuseum in Köln gekauft wurde und dass in der neuen Kirche ein großes Wandbild dafür sorgt. Das das Tüchlein nicht in Vergessenheit gerät. Gegenüber der großen neuen neugotischen Kirche steht das kleine alte altgotische Kirchlein, in dessen Chor ein großes Fresko Christus als Weltenrichter zeigt, aus dessen Mund ein Schwert herauswächst – für die Verurteilten – und eine weiße Lilie – für die Begnadeten. Nach 1918 und nach 1945 war diese kleine kostbare Kirche immer wieder vom Verfall bedroht, immer wieder wurde sie gerettet, zum Glück, denn solche Schätze dürfen nicht aufgegeben werden. Man muss Geduld und Aufmerksamkeit mitbringen, um das wahre Gesicht Erftstadts zu entdecken.